INTERREG Forschungsprojekte

Wildkatzenforschung im Nationalpark Thayatal

Die Wildkatzenforschung im Nationalpark Thayatal wurde im Rahmen der grenzüberschreitenden INTERREG-Projekte mit dem Titel "Connecting Nature AT-CZ" und "Magic Landscapes" neu aufgestellt und intensiviert. Dabei war das Ziel, das Vorkommen der Europäischen Wildkatze im Nationalpark genauer zu untersuchen, das Wissen über diese seltene Tierart zu steigern, Möglichkeiten der Unterstützung der Wildkatzenpopulation zu prüfen und auch die Forschungsmethodik an sich zu verbessern. Diesbezüglich wurde auf die bewährte Methode der Lockstockforschung zurückgegriffen, mit der bereits zwischen 2007 und 2013 mehrmals das Vorkommen der Wildkatze im Nationalpark Thayatal nachgewiesen werden konnte.

Connecting Nature AT-CZ

Im Folgenden finden Sie Forschungsarbeiten, die im Rahmen des INTERREG V-A Projektes mit dem Titel "Connecting Nature AT-CZ" durchgeführt wurden.

Lockstock Methode

Seit März 2018 sind im Nationalpark Thayatal und dem benachbarten Nationalpark Podyjí 30 Lockstöcke aufgestellt worden die mit neuen Fotofallen ein intensives Monitoring gewährleisten. Sämtliche Standorte werden durchschnittlich alle 3 Wochen aufgesucht und nach Haar- und Kotproben abgesucht. Wichtige Hinweise liefern zusätzlich die Fotofallen, die auch nachts Farbaufnahmen machen. Sobald ein Lockstock Hinweise auf die mögliche Anwesenheit einer Wildkatze liefert, werden die Proben eingesammelt und zur genetischen Untersuchung geschickt. Falls es nicht möglich war eine Probe zu finden, besteht die Möglichkeit mit dem Wildkatzenspürhund nach weiteren Nachweisen zu suchen.

Lockstoffforschung

Eine bei Bestandserhebungen vielerorts angewandte und bewährte Methode ist die Beköderung von Lockstöcken mit Baldrian. Hauskatzen und auch die scheue Wildkatze lieben den Duft der Baldrianwurzel. Deshalb wird dieser Duftstoff seit Jahren zur Erforschung der Wildkatze in den Nationalparks Thayatal-Podyjí angewandt. Es hat sich jedoch gezeigt, dass nicht alle Katzen auf den Geruch von Baldrian reagieren und zudem ein gewisser Gewöhnungseffekt auftreten kann. Es könnte auch sein, dass in erster Linie territoriale Katzen darauf reagieren und Baldrian bei Durchzüglern weniger effizient ist. Im Rahmen dieses Projektes werden daher auch alternative Lockstoffe getestet, um die Chancen auf die Nachweisbarkeit der Wildkatze zu erhöhen. Baldrian als Standard-Lockstoff für Wildkatzen hat sich primär in Mitteleuropa bewährt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Wildkatzen in Süd- und Südosteuropa bei Weitem nicht so häufig auf Baldrian reagieren. Die Datenlage ist diesbezüglich allerdings (noch) unzureichend.


Zitiervorschlag: Gerngross P. (2020): Wildkatzen-Projekt - Erprobung verschiedener Lockstoffe als Alternative zu Baldrian zum Zwecke der Nachweisbarkeit der Europäischen Wildkatze (Felis silvestris). Im Auftrag der Nationalpark Thayatal GmbH (Hrsg.).
Endbericht zur Lockstoffforschung[PDF, 14,2MB]

Überlappung der Lebensräume von Haus- und Wildkatzen

Die Wildkatzenpopulation in Österreich ist gewissen Gefahren ausgesetzt wobei die Hybridisierung mit der Hauskatze eine mögliche Bedrohung darstellt. Daher untersuchte Frau Wimmer-Schmidt im Auftrag der Nationalparkverwaltung die Überlappung der Lebensräume zwischen nicht-streunenden Hauskatzen und Wildkatzen im Gebiet des Nationalparks und seiner Umgebung. Bei der Untersuchung wurden acht Hauskatzen mit GPS Sendern ausgestattet und deren Streifgebiete und Aktivitätsphasen beobachtet. Bei der Analyse der Daten stellte sich heraus, dass die Hauskatzen zu 88 % Siedlungsgebiete, 5 % Landwirtschaft, 3 % Grünflächen und je 2 % Wald und Baum/Heckenreihen aufsuchen. Dadurch ist eine Überlappung der Lebensräume im Gebiet des Nationalparks Thayatal kaum gegeben.

Magic Landscapes

Im Folgenden finden Sie Forschungsarbeiten, die im Rahmen des INTERREG Central Europe Projektes mit dem Titel "Magic Landscapes" durchgeführt wurden.

Wildkatzenkorridor Plan

Im Bereich zwischen dem Nationalpark Thayatal und der Wachau, welche zwei Hotspots für Wildkatzennachweise der letzten Jahre darstellen, wurden ausgewiesene Korridore eines ausgewählten Abschnitts genauer betrachtet, um Vernetzungsdefizite aufzuzeigen und Vorschläge für die Verbesserung der Konnektivität zu machen. Dazu wurden elf sogenannte Restore-Flächen definiert, für welche Maßnahmen zur Aufwertung umgesetzt werden sollten. Die für die Wildkatze ausgewiesenen Korridore dienen nicht nur dieser einen Art, sich auszubreiten und mit anderen Teilpopulationen in Interaktion zu treten sondern auch vielen weiteren Wildtierarten sowie auch dem Mensch, der Vorteile aus diesem Biotopverbundsystem schöpft.


Zitiervorschlag: LEITNER H. & D. LEISSING (2020): Erstellung eines Wildkatzenkorridorplans im Wald- & Weinviertel in Österreich und den Kreisen Südböhmen und Südmähren in Tschechien. Klagenfurt, 55 S.
Endbericht zu Wildkatzenkorridore[PDF, 12,9MB]